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Anlageberatungen – darauf sollten Sie als Anleger achten

Im Bereich Geldanlage stehen Anlegern heutzutage eine ganze Menge an einzelnen Finanzprodukten zur Verfügung. Der größere Teil ist relativ bekannt, wie zum Beispiel Tages- und Festgeldanlagen, Spareinlagen oder auch Aktien. Eine größere Anzahl von Anlegern entscheidet sich eigenständig dafür, wie sie ihr Geld zukünftig anlegen möchten. Auf der anderen Seite gibt es allerdings nach wie vor ebenso zahlreiche Kunden, die sich vorab gerne beraten lassen möchten. Exakt auf dieses Thema möchten wir eingehen, worauf Sie bei der Anlageberatung achten sollten.

 

Bei welchen Finanzprodukten gibt es Beratungsbedarf?

 

Sicherlich sind es nicht die einfachen Produkte, die auch für Neulinge im Anlagebereich transparent und leicht verständlich sind, bei denen eine Anlageberatung notwendig wäre. Das trifft zum Beispiel auf die folgenden Anlageformen zu:

 

  • Spareinlagen
  • Tagesgeld
  • Festgeld
  • Geldmarktpapiere

 

Bei anderen Anlageprodukten wiederum ist es durchaus abhängig vom Kenntnisstand und den Erfahrungen des Anlegers, ob eine Beratung sinnvoll und notwendig ist. Das gilt zum Beispiel für die Anlage in Aktien, Fonds, ETFs oder Anleihen.

 

Wann kommt eine Anlageberatung in der Praxis vor?

 

Wer Sie im Hinblick auf Ihr Anlagegespräch berät, das können Sie frei entscheiden. Die zahlreichen Berater am Markt lassen sich in erster Linie eine der folgenden Kategorien zuzuordnen:

 

  • Mitarbeiter der Bank (Bankberater)
  • Vermögensberater
  • Anlageberater
  • Versicherungsmakler

 

Die meisten Anleger möchten sich nach wie vor von einem Bankberater erklären lassen, welche Anlageformen aus welchen Gründen sinnvoll sind. Alternativ gibt es Vermögensberater und freie Anlageberater, welche im Prinzip die gleiche Tätigkeit ausüben. Darüber hinaus gehen ebenso immer mehr Versicherungsmakler dazu über, in Kombination auch zum Thema Geldanlage zu beraten.

 

Welche Eigenschaften hat eine gute Beratung des Anlegers?

 

Die qualitativen Unterschiede zwischen den über 10.000 Beratern, die in Deutschland tätig sind, sind zum Teil enorm. Daher ist es wichtig und sinnvoll, dass Sie als Kunde zumindest ungefähr einschätzen können, woran Sie eine qualitativ gute Beratung erkennen können. Wichtig ist zum Beispiel, dass der Anlage-, Bank- oder Vermögensberater zahlreiche Fragen stellt. Damit versucht er, sich ein umfassendes Bild von Ihnen zu machen. Das ist wichtig, denn nur so könne Berater ihren Bedarf erkennen und entsprechend für die passenden Anlageformen entscheiden. Fragen, die dabei helfen, sind zum Beispiel:

 

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit welchen Anlageprodukten?
  • Wie wichtig ist Ihnen Sicherheit?
  • Welche Rendite erwarten Sie von Ihrer Geldanlage?
  • Wie hoch ist Ihr Einkommen?
  • Gibt es bereits Rücklagen?
  • Bedienen Sie laufende Kredite?
  • Gibt es bestimmte Anlageprodukte, die Sie favorisieren?
  • Welchen Zweck verfolgen Sie mit Ihrer Geldanlage?
  • Wie risikobereit sind Sie?

 

Diese und andere Fragen sollten Anlage-, Bank- und Vermögensberater stellen, damit eine gute Basis für spätere Empfehlung des Anlageproduktes existiert.

 

Honorarberatung vs. provisionsbasierte Beratung: Was empfiehlt der Berater?

 

Sämtliche Berater aus allen Kategorien, die am Markt tätig sind, lassen sich einer der folgenden drei großen Gruppen zuordnen:

 

  • Provisionsbasierte Beratung
  • Honorarberatung
  • Unentgeltliche Beratung (insbesondere Bank)

 

Bei der Unterscheidung geht es vor allen Dingen darum, ob und in welcher Form der Berater für seine Tätigkeit entlohnt wird. Eine kostenfreie Beratung gibt es in der Form fast nur bei Banken, aber auch dann ist es häufiger der Fall, dass der entsprechende Mitarbeiter bei einem Abschluss eine Provision erhält. So arbeiten zusätzlich zahlreiche Anlage- und Vermögensberater, nämlich auf Grundlage der provisionsbasierten Beratung. Das bedeutet, dass die entsprechenden Berater oft mit anderen Unternehmen und Anbietern von Finanzprodukten zusammenarbeiten. Schließt der Kunde dann ein entsprechendes Produkt ab, erhalten Sie Berater vom jeweiligen Anbieter eine Provision. Das gilt insbesondere für die folgenden Anlageprodukte und Anbieter:

 

  • Bausparvertrag
  • Lebens- oder private Rentenversicherung
  • Investmentfonds
  • Sonstige Versicherungen

 

Einen anderen Weg gehen sogenannte Honorarberater. Hier erhalten die Berater nicht von bestimmten Anbietern eine Provision, sondern von den Kunden ein festes Honorar. Dies hat in der überwiegenden Mehrheit für Anleger den Vorteil, dass die Beratung sehr objektiv stattfindet. Der Honorarberater hat – im Normalfall – keinen Vorteil davon, dass er zum Beispiel den Fonds einer bestimmten Gesellschaft empfiehlt. Manchmal vermischen sich die Grenzen allerdings, sodass auch Honorarberater zusätzlich eventuell eine Provision von bestimmten Anbietern erhalten. Deshalb sollten Anleger drauf achten, dass Sie – wenn – eine echte Honorarberatung oder zusätzliche Provisionen in Anspruch nehmen.

 

Dokumentationspflicht der anlagegerechten Beratung

 

Wenn Sie zu bestimmten Anlageprodukten beraten werden, dann gibt es eine Dokumentationspflicht seitens des Beraters. Man spricht in dem Zusammenhang auch von der anlagegerechten Beratung. Diese gilt insbesondere für etwas komplexere Anlageformen und Wertpapiere, sodass zum Beispiel in den folgenden Fällen eine anlagegerechte Beratung normalerweise dokumentiert werden muss:

 

  • Rentenpapiere
  • Aktien
  • Zertifikate
  • Investmentfonds
  • ETFs
  • Beteiligungen

 

Wichtig bei der Beratung ist, dass der Berater eine Dokumentation anfertigen muss. Dort hält er die wichtigsten Details zur Beratung fest, wie zum Beispiel die Finanzprodukte, die er empfohlen hat. Sie als Kunde sollten darauf achten, dass die Dokumentation tatsächlich der Beratung entspricht und dort keine Abweichungen sind. So kommt es zum Beispiel häufiger vor, dass die Risiken und Kosten aufgeführt werden, während das in der Praxis jedoch nicht stattgefunden hat.

 

Tipp: Informieren Sie sich selbst und entscheiden Sie nicht spontan

 

Im Zusammenhang mit einer Anlageberatung gibt es einige Tipps, die Ihnen dabei helfen, dass Sie sich tatsächlich für geeignete Anlageprodukte entscheiden. Sie sollten zum Beispiel selbst Informationen zu den Anlageformen einholen, die für Sie infrage kommen und sich nicht nur auf das Urteil des Beraters verlassen. Ferner ist es empfehlenswert, dass Sie Ihre Entscheidung stets überdenken bzw. eine Nacht darüber schlafen. Weniger zu empfehlen ist, dass Sie das Angebot des Beraters direkt annehmen und zum Beispiel einen Vertrag für die Geldanlage abschließen. Nehmen Sie sich stattdessen Zeit, mindestens einen Tag, um sich dann noch intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

 

Berater haftet bei schweren Fehlern oder Versäumnissen

 

Sollten Sie der Empfehlung Ihres Beraters nachgekommen sein und sich entsprechend für das Finanzprodukt entschieden haben, muss die Anlage nicht immer erfolgreich verlaufen. Manchmal stellen sich erst im Nachhinein Beratungsfehler heraus, die Sie im schlimmsten Fall bares Geld kosten können. Dann ist es wichtig zu wissen, dass es in Deutschland eine sogenannte Beraterhaftung gibt. Das bedeutet, dass der Berater schadenersatzpflichtig ist, wenn durch eine fehlerhafte Falschberatung bei Ihnen ein finanzieller Schaden entsteht. Das gilt im Grunde für alle Berater, unabhängig davon, ob diese in der Bank tätig sind und es sich um freie Anlage- und Vermögensberater handelt.

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