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Werden die Zinsen für Sparer wiederkommen?

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Seit dem 16. März 2016 befindet sich der Leitzins der Europäischen Zentralbank (oder kurz: „EZB“) bei historisch niedrigen 0,00 Prozent. Je niedriger dieser Zinssatz ist, desto niedriger sind auch die Sparzinsen für Spareinlagen von Privatanlegern – schließlich lässt sich für die Geschäftsbanken das Kapital eh zum Nullzinssatz beschaffen! Als ob diese Situation für Sparer nicht schon ungünstig genug ist, erleben diese seit Kurzem eine weitere, bislang einmalige Situation: und zwar Verwahrentgelte. Hinter diesem – recht diplomatisch verpackten – Begriff verbergen sich sogenannte „Negativzinsen“, die in Deutschland bei vielen Direkt- und Geschäftsbanken mittlerweile für Sichteinlagen in bestimmter Höhe fällig werden. Rund -0,50 Prozent müssen Privatanleger aktuell für Sparguthaben oberhalb von 50.000 Euro berappen. Da stellt sich an der Stelle die Frage, wann sich die Situation für den individuellen Sparer wieder bessert? Im nun folgenden Artikel soll daher einmal auf die ganz grundsätzliche Frage eingegangen werden, wann die Sparzinsen perspektivisch wieder steigen und welche Auslöser es dafür geben könnte, beziehungsweise müsste.

 

Was sind überhaupt Zinsen und wie kommen diese zustande?

 

Per Definition handelt es sich bei Zinsen um den Preis für die Überlassung von Kapital. Hierfür ist die rechtliche sowie zeitlich befristete Überlassung vom Kapital eines Kreditgebers an einen Kreditnehmer notwendig. Somit kann der Kreditnehmer (zum Beispiel eine andere Privatperson, ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung) für die jeweilige Kreditlaufzeit frei über das geliehene Kapital verfügen. Die Zinsen werden hierfür vordefiniert und werden in der Regel prozentual zur geliehenen Geldmenge fällig. Zu unterscheiden gilt es hier in Habenzinsen und Sollzinsen. Habenzinsen erhalten Sie als potenzieller Sparer beispielsweise auf Ihr Anlagekapital, währenddessen Sollzinsen für die Inanspruchnahme von Krediten fällig werden. Zinsen zählen nach deutschem Steuerrecht zu den Kapitalerträgen und sind bis 801 Euro pro Person und Jahr bei Einzelveranlagten, beziehungsweise bis 1.602 Euro pro Jahr bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren steuerfrei.

 

Welche Gründe hat die aktuelle Niedrigzinsphase?

 

Banken orientieren sich hinsichtlich der Sparzinsen am Leitzinssatz der EZB, der de facto auf historisch niedrigem Niveau ist. Dieser Umstand ist bereits seit Anfang 2016 der Fall und bisweilen ist hierfür kein Ende in Sicht. Ein viel interessantere Fragestellung dürfte daher lauten, weshalb die EZB den Leitzinssatz auf einem so niedrigen Niveau hält? In den folgenden Abschnitten erfahren Sie einmal alle potenziellen sowie tatsächlichen Gründe für den seit über 5 Jahren anhaltenden, niedrigen Leitzinssatz der EZB.

 

Konjunkturpolitik der EZB

 

Der historische Niedrigzinssatz der EZB ist vor allem durch konjunkturelle Vorteile zu begründen. Hierbei soll vor allem Unternehmen sowie Privathaushalten unter die Arme gegriffen werden, die sich niedrig Geld am Kapitalmarkt beschaffen können. Dadurch sollen zum einen der Konsum, zum anderen aber auch potenzielle Investitionen angekurbelt werden. Ziel der EZB ist es, so auch die Inflationsrate in einem bestimmten Maß zu beeinflussen. Die EZB peilt hier eine durchschnittliche, jährliche Preissteigerungsrate in Höhe von 2,00 Prozent an.

 

Investitionen begünstigen

 

Vor allem das Bauhauptgewerbe profitiert von niedrigen Zinsen. Das Investitionsvolumen innerhalb der Baubranche nimmt daher seit vielen Jahren konstant zu. Im Kalenderjahr 2020 wurden in Deutschland allein rund 442 Milliarden Euro im Baugewerbe investiert (im Vergleich dazu, Stand 2010: circa 283 Milliarden Euro). Niedrige Zinsen tragen also dazu bei, dass Privatpersonen sowie Unternehmen in Immobilien investieren. Gleichzeitig wird auch mehr in neue Maschinen, Anlagen und damit in den Ausbau von Produktionskapazitäten investiert.

 

Leichterer Abbau von Staatsschulden

 

Kritiker der Niedrigzinspolitik werfen der EZB zudem vor, dass die Strategie hinter den niedrigen Zinsen vor allem darin bestünde, hoch verschuldeten Staaten ein leichteres Entschulden zu ermöglichen. Gemeint sind damit vorrangig südeuropäische Mitgliedsstaaten der EU wie zum Beispiel Italien, Spanien oder Griechenland.

 

Welche Anzeichen sprechen für eine baldige Zinsanhebung?

 

Zwar wirkt die seit 2016 andauernde Niedrigzinsphase schon beinahe zementiert, jedoch deuten einige Anzeichen auf eine baldige Kehrtwende in puncto Niedrigzinsen hin. Eine solche Umkehr zurück zu höheren Sparzinsen hätte vor allem für Sparer enorme Vorteile und könnte sich positiv auf die Privatvermögen in Europa auswirken. Eine tatsächliche Erhöhung der Leitzinsen dürfte aber vor 2023 nicht geschehen – so sehen es Experten. Hier jedoch schon einmal drei deutliche Anzeichen dafür, dass zumindest nach diesem Datum mit einem Anstieg des Leitzinssatzes zu rechnen ist:

 

  • historisch hohe Inflationsraten
  • die EZB muss ihren Handlungsspielraum wieder erweitern
  • die US-amerikanische FED hat ihren Leitzinssatz bereits erhöht

 

Hohe Inflation

 

In den einzelnen, europäischen Ländern gibt es bereits seit vielen Jahren ein deutlich spürbares Wachstum. Somit hat die EZB ihr Ziel dahingehend erreicht. Auch die angepeilte Inflationsrate von europaweiten 2,00 Prozent ist mit circa 1,90 Prozent im vergangenen Kalenderjahr nahezu erreicht. Die Währungshüter des Euros dürften die jüngsten Resultate also vermutlich dazu bewegen, den Leitzinssatz perspektivisch wieder anzuheben, um eine zu starke Inflation zu verhindern.

 

EZB muss Handlungsspielraum wieder erweitern

 

Die Niedrigzinsphase der EZB galt als letztes, probates Mittel, um eine schwächelnde, europäische Wirtschaft [vor allem aufgrund von wirtschaftsschwachen Mitgliedsstaaten] vor dem Aus zu retten. Diesen „Trumpf“ hat die EZB aber nun nicht mehr im Ärmel. Die Rückkehr zur Normalität ist der EZB zwar dadurch gelungen, jedoch stünde dieser im Falle einer erneuten Weltwirtschaftskrise keine ähnliche Strategie mehr zur Verfügung. Dieser Handlungsspielraum muss von der EZB unbedingt zurückgewonnen werden. Entsprechend ist auch von dieser Warte her mit einem baldigen (wenn auch stückweisen) Rückanstieg der Leitzinsen zu rechnen.

 

Die US-amerikanische FED erhöhte bereits

 

Seit Ende 2015 hat die US-amerikanische Notenbank „Federal Reserve System“ (oder kurz: „FED“) ihren Leitzinssatz bereits dreimal erhöht, zwischenzeitlich aber wieder abgesenkt. Dabei erreichte der US-Leitzins im Kalenderjahr 2019 einen Wert in Höhe von 2,13 Prozent. Die letzten Zinssenkungen dürften hier aber vor allem auf die Corona-Krise zurückzuführen sein. Sobald diese vollständig überwunden ist, rechnen Experten mit einem erneuten [in dem Fall starken] Rückanstieg der US-Leitzinsen, der dann auch Einfluss auf den europäischen Leitzinssatz haben dürfte.

 

Wie hoch sind die durchschnittlichen Zinsen [je nach Anlageklasse]?

 

Wie spiegelt sich die momentane Niedrigzinsphase eigentlich im Einzelnen für den potenziellen Privatanleger wider? Hierfür haben wir uns einmal die aktuellen Durchschnittszinssätze der beliebtesten Anlageklassen der Deutschen angesehen:

 

  • Girokonto, Tagesgeldkonto oder Sparbuch
  • Festgeldkonto
  • Staatsanleihen

 

Vorweg: Die momentane Niedrigzinsphase der EZB und die damit bei den Geschäfts- und Direktbanken außerordentlich niedrigen Sparzinsen haben einen enormen Einfluss auf die durchschnittlich beim Privatanleger erzielte Rendite!

 

Sparzinsen für Girokonten, Sparbücher sowie Tagesgeldkonten

 

Sichteinlagen ab einer Höhe von über 50.000 Euro unterliegen bei den meisten Geschäfts- und Filialbanken einem Negativzins in Höhe von -0,50 Prozent, wodurch die Geldanlage auf dem Girokonto am schlimmsten von der Niedrigzinspolitik betroffen ist. Tagesgeldkonten boten im vergangenen Kalenderjahr 2020 einen durchschnittlichen Zinssatz in Höhe von 0,10 Prozent. Auch Sparbücher bieten aktuell ein ähnliches Zinsumfeld wie beispielsweise Tagesgeldkonten und rentieren mit durchschnittlich 0,00 bis 0,10 Prozent.

 

Sparzinsen für Festgeldanlagen

 

Etwas besser sieht die Lage da schon bei Festgeldanlagen aus, die [bei einer durchschnittlichen, zweijährigen Laufzeit] aktuell mit rund 0,32 Prozent pro Jahr verzinst werden. Für längere Laufzeiten [von mehr als 10 Jahren] können hingegen zwischen 1,20 und 1,50 Prozent an Festgeldzinsen realisiert werden. Damit schlägt auch diese Anlageform nicht die durchschnittliche Inflationsrate in Deutschland, die bei 2,20 Prozent liegt.

 

Sparzinsen für Staatsanleihen

 

Ebenso beliebt sind bei den Deutschen immer noch Staatsanleihen sowie Bundesschatzbriefe, die de facto mit rund -0,47 Prozent rentieren und damit ebenfalls keine adäquate Anlageform darstellen (19). Im Vergleich dazu beliefen sich die durchschnittlichen Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen im Jahre 1990 auf rund 6,00 Prozent!

 

Welche Alternativen haben Privatanleger trotz Nullzinsen?

 

Als potenzieller Anleger können Sie jedoch am Aktienmarkt sowie mit Immobilien immer noch lukrative Renditen erzielen, mit der Sie sowohl die Inflation, als auch den einhergehenden Negativzins schlagen können. In puncto Immobilien erzielten Sie beispielsweise zwischen 1974 und 2014 eine Vorsteuerrendite in Höhe von rund 3,80 Prozent. Am Aktienmarkt konnten Sie mit Einzelaktien oder breit diversifizierten Indexfonds sogar 8,30 Prozent erzielen. In jedem Fall kann es sich für den Einzelnen schon allein deswegen lohnen, auf alternative Kapitalanlagemöglichkeiten auszuweichen, weil Sparguthaben durch Negativzinsen und inflationäre Einflüsse aktuell systematisch liquidiert werden. Also: Es gibt für Sie als potenziellen Privatanleger in der Tat eine große Anzahl an Alternativen, mit denen Sie Nullzinsen und Inflation mühelos begegnen können!

 

FAQs zum Thema Sparzinsen

 

Was sind die durchschnittlichen, aktuellen Zinsen für Sichteinlagen?

 

Antwort: Aktuell erhalten Sie auf Girokonten im Schnitt 0,00 Prozent Sparzins, beziehungsweise müssen Verwahrentgelte in Höhe von durchschnittlich -0,50 Prozent zahlen. Für Einlagen auf dem Tagesgeldkonto, beziehungsweise Sparbuch erhalten Sie hingegen durchschnittlich 0,10 Prozent Sparzinsen.

 

Wodurch sind die aktuell so niedrigen Sparzinsen begründet?

 

Antwort: Die Sparzinsen richten sich maßgeblich nach dem europäischen Leitzins, der seit 2016 bei exakt 0,00 Prozent liegt, beziehungsweise nach dem Refinanzierungszinssatz der Banken, der momentan sogar bei -0,50 Prozent liegt.

 

Wann werden die Sparzinsen wieder ansteigen?

 

Antwort: Perspektivisch ist vor Ende des Jahres 2023 nicht mit einem Anstieg des europäischen Leitzinses zu rechnen. Theoretisch sprechen aber eine Menge Indizien [aktueller Wirtschaftsboom, historisch hohe Inflation sowie die Zinspolitik der FED] für einen veritablen Anstieg nach diesem Datum.

 

Was sollten Sparer aktuell mit ihrem Kapital machen?

 

Antwort: Idealerweise investieren Sie Ihr Kapital in alternative Anlageformen wie zum Beispiel Aktien, Indexfonds sowie Immobilien sowie in Edelmetalle.

 

Fazit zum Thema „Werden die Sparzinsen wieder steigen?“

 

Mittelfristig ist nicht mit einem Rückanstieg der Sparzinsen zu rechnen, weshalb Sie größere Sparguthaben unbedingt renditestärker anlegen sollten. Seit 2010 haben deutsche Sparer aufgrund niedriger Sparzinsen sowie hoher Teuerungsraten rund 135 Milliarden Euro Vermögen verloren. Im Schnitt kostet die aktuelle Niedrigzinsphase den deutschen Sparer aktuell rund 365 Euro pro Jahr! Hier kann nur mit alternativen Kapitalanlagemöglichkeiten beigepflichtet werden, die nachhaltige Renditen oberhalb vom Negativzins und Inflation bieten! Anstatt also darauf zu vertrauen, dass die Sparzinsen wieder steigen, sollten ganz grundsätzlich neue Ansätze für die individuelle Kapitalanlage gefunden werden. Zu empfehlen ist hier ein nachhaltiges Investieren über mehrere Anlageklassen hinweg.

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